• Lilian Christ

Aus dem Tagebuch einer Autorin

Mein Kartoffelmännchen und ich (Teil 2)


12. September



Es ist Samstag Morgen, 8 Uhr. Ich komme gerade vom Bäcker. Eine halbe Stunde durfte ich anstehen. Zeit genug, um wieder einmal meine Mitmenschen und ihr Verhalten zu studieren. Seit Corona eine spannende Angelegenheit. "Guten Morgen hast du gut geschlafen?", fragt mich mein Kartoffelmännchen. "Nö, du?", antworte ich. "Nein", seufzt es. "Ich habe die ganze Nacht darüber nachgedacht, warum ihr Menschen oft schlecht gelaunt seid, obwohl es euch doch so gut geht." "Eine sehr gute Frage", nicke ich. "Ich auch?", frage ich. "Yep", meint das Kartoffelmännchen. Sofort ziehen mir die Bilder der Menschen, die mir gerade begegnet sind, durch den Kopf. Nein, so möchte ich wirklich nicht sein. Mein Blick fällt auf die Spuren des Freitagabend-Keks-Küchenmassakers. Die Kids haben gebacken. "Egal", denke ich und stopfe mir schnell einen ihrer Kekse in den Mund. "Hast total Recht", schmatze ich. "Wir sollten mehr die schönen Momente genießen, statt uns im Alltag zu verlieren." Habe ich nicht ein schlaues Kartoffelmännchen?


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